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Je oller, je doller: bab.las Wort des Monats Januar

Der Monat Januar hat sich nicht lumpen lassen und uns einige Sprachschätze und Sprachdurchfälle beschert. Aber hören wir jetzt mal mit dem Geschwätz auf und gehen lieber direkt in medias res.

Hier kommen die Kandidaten für das Wort des Monats Januar:

1. Knut 2.0. Har har har! Spiegel Online betitelt so das neue (totaaaaaal süße und totaaaaaaal knuddelige) Eisbären-Baby “Flocke” aus dem Nürnberger Zoo. Sozusagen die zweite Eisbären-Blase nach Knut. Nicht übel.

2. McAbi & Dr. Cheeseburger. McDonalds steigt in Großbritannien in den Weiterbildungsmarkt ein… mit folgenden Reaktionen: Die Süddeutsche lästert, die Tagesschau witzelt… und die TAZ kommentiert ernsthaft – und erstaunlich positiv.

3. Karawanen-Kapitalismus. Bundesminister Steinbrück droht der Firma Nokia mit dieser Wortschöpfung wegen der geplanten Werksschließung in Bochum. Zugleich empfiehlt er sich mit diesem Wortungetüm als heißer Kandidat für das Unwort des Jahres. Aber das nur am Rande.

4. Subventionsheuschrecke. Gleiches Thema, anderer Politiker (Rüttgers) & Partei, anderes Unwort. Gleiche Bedeutung. Au weia.

5. Zugzielanzeige. Neulich waren wir in Berlin unterwegs mit der S-Bahn. Wir standen am Bahnsteig, als folgende Durchsage ertönte: “Achtung, Achtung, die Zugzielanzeige ist defekt…” Die… WAS?!? Zugzielanzeige?!? Seitdem habe ich ein neues Wort in meinem aktiven Wortschatz aufgenommen. Als Zugzielanzeige betitelt man offenbar die eigentlich schnöde Anzeigetafel am Bahnhof. Aber eine Zugzielanzeige ist sooooooooo viel mehr als eine normale Anzeigetafel. Sie kann zum Beispiel auch anzeigen, wenn ein Zug mal wieder 60 Minuten Verspätung hat. Das habe ich gestern in Dortmund persönlich erleben dürfen. Wunderschön – das Wort, nicht die Verspätung.

6. Westausdehnung. Mit “Westausdehnung” wird in den Medien der Einzug der Links-Partei in die hessischen und niedersächsischen Landesparlamente bezeichnet. Willkommen zurück im Vokabular des kalten Krieges!

Puh, bei so vielen außerordentlichen Kandidaten fällt die Auswahl schwer. Wir entscheiden uns für Zugzielanzeige. Warum? Endlich mal ein informatives Wort mit Super-Abkürzungspotenzial (ZZA oder ZZAZ) inmitten der negativen Wortungeheuer…. Obwohl…?

Soviel für den Moment,

Thomas

Finanzsoufflé und Schlussverräter

So, wir verwurschteln jetzt mal eine ganze Reihe an Themen zu einem einzigen Blogbeitrag. Mal sehen, ob das klappt.

Eigentlich wollte ich einen schönen Kommentar zum hochoffiziellen Wort des Jahres schreiben, welches neulich von der “Gesellschaft für deutsche Sprache” (GfdS – eine Abkürzung, die man unbedingt wissen muss… 🙂 ) gekürt worden ist. Dann erreichte mich soeben die Nachricht, dass das Unwort des Jahres auch bereits gekürt worden ist; außerdem fehlt uns immer noch bab.las Wort des Monats Dezember und natürlich unser eigenes Wort des Jahres. Wenn die GfdS das kann, können wir das schon lange. Bäh! 🙂

Lasset die Spiele beginnen! Fangen wir also an:

Die GZSZ äh GfdS hat das böse Wort “Klimakatastrophe” zum Wort des Jahres gekürt. Das ist zum einen doof, weil es ein permanent schlechtes Gewissen verursacht. Sollte ich noch fliegen? Sollte ich die Heizung noch anschalten? Brauche ich wirklich Licht im Büro? Zum anderen ist dieses Wortungetüm aus meiner Sicht eher ein Kandidat für das Unwort des Jahres, aber egal. Mich hat ja keiner gefragt. Komisch eigentlich…

Heute also hat eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern (übrigens ein Spin-Off der GfdS; man hat sich irgendwann zerstritten… worüber? Über das Unwort des Jahres 1994, kein Scherz!) das Unwort des Jahres gekürt. Unter den Kandidaten wie “klimaneutral”, und “Bundestrojaner” setzte sich letzlich die “Herdprämie” durch. Soso… Damit spannen wir nun den Bogen zur Mutter aller Sprachen, nämlich bab.la. 🙂

Die Herdprämie war nämlich auch einer unserer ganz besonderen Lieblinge, zu finden in den Vorschlägen zum Wort des Monats August. Leider hat sich die Herdprämie aber nicht durchsetzen können, zumindest nicht bei uns (har har). Folgende Wörter des Monats haben wir bis dato gekürt: Schlussverräter (Juli), Hufeisennase (August), Pixelschubser (September), Kinderspitzel (Oktober), Streikmonster (November). Fehlt also noch der Dezember.

Der Dezember war ja eher mau und außerdem durch Weihnachten, Urlaub, Neujahr und gefühlte 15 Kilo Gewichtszunahme geprägt. Spontan habe ich lediglich zwei Wortvorschläge für den Dezember:

1. Finanzsoufflé. Eine wunderbare Beschreibung der Subprime-Krise, welche die Finanzwelt erschüttert. Kreiert / gefunden von unserem fleißigen Nutzer Gerhard. Besten Dank!

2. Erziehungscamp. Offenbar eine Mischung aus Knast und Dschungelcamp, oder so ähnlich. Furchtbares Wort.

Machen wir es nun kurz und schmerzhaft. Zwei Entscheidungen stehen an:

1. Das Wort des Monats Dezember lautet: Finanzsoufflé. Ein schönes Wort, sehr schmackhaft.

2. bab.las Wort des Jahres lautet: *** Trommelwirbel *** Schlussverräter. Gewählt durch die 99-köpfige bab.la Redaktion, bestehend aus allerlei Sprachwissenschaftlern, Journalisten, allen Parteien, den Kirchen, Verbänden, Gewerkschaften (insbes. Herrn Schell), der Bahn und der gesamten Öffentlichkeit. Habe ich jemanden vergessen?

Wir hätten es uns fast nicht nehmen lassen, bei Wikipedia zum Thema “Wort des Jahres” einen Verweis zu unserem Blogbeitrag zu platzieren. Schließlich ist unser Wort des Jahres mindestens genauso schön wie das Wort der GfdS. Wir sind ja auch so eine Art Spin-off…

Soviel für den Moment,

Thomas